04.11.2019
Eine frische Brise tut gut

Teisings Freie Wähler wollen Claudia Heiß ins Rennen um das Bürgermeisteramt schicken

Teising. Ein enges Rennen um das Amt des Bürgermeisters hat es in Teising zuletzt 2002 gegeben. Drei Bewerber traten damals an, in der Stichwahl setzte sich Johann Hiebl (TL) mit 36 Stimmen Vorsprung gegen seinen Vorgänger Josef Bachmeier (CSU) durch. 2008 und 2014 wurde Hiebl mit knapp über bzw. knapp unter 90 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt – jeweils ohne Gegenkandidaten. Bei der Kommunalwahl 2020 wird das anders sein: Die Freien Wähler wollen ihm den Chefsessel im Rathaus streitig machen. Mit Claudia Heiß haben sie eine Bewerberin gefunden. Die 53-Jährige hat ihre Bereitschaft erklärt, für das Amt zu kandidieren, im Dezember soll sie nominiert werden.

Eigentlich waren die Freien Wähler "nur" auf der Suche nach Listenkandidaten, als sie auf Claudia Heiß zugingen. Im Gespräch habe sich dann aber herausgestellt, dass die bislang politisch noch nicht in Erscheinung getretene Rechtsanwältin durchaus für mehr zu haben ist, wie Vorsitzender Martin Nützl sagt. Tatsächlich entschied sie sich dazu, ihren Hut in den Ring zu werfen.

Geboren wurde Claudia Heiß in München, wo sie auch zur Schule ging, das Jurastudium absolvierte und zunächst beruflich tätig war. Nach Teising kam sie 1999. Während die Familienrechtlerin erst noch in Kanzleien in Traunstein und dann acht Jahre lang in Burghausen arbeitete, machte sie 2013 ihre eigene in Teising auf. Der Hintergrund: Sie pflegte nebenbei ihre kranke Mutter, die vergangenes Jahr gestorben ist.

Heuer nun stand sie vor der Frage, ob sie sich wie-der in eine Bürogemeinschaft einklinken sollte – eine Frage, die nun fürs Erste vom Tisch ist und erst dann wieder aktuell wird, wenn sie im März nicht gewählt werden sollte. Der bevorstehenden Kandidatur wegen hat Claudia Heiß sogar das Studium der Psychologie an der Mühldorfer Außenstelle der TU Rosenheim, das sie als Familienrechtlerin, die auch viel mit Kindern zu tun hat, zur weiteren Qualifizierung begonnen hat, abgebrochen.

Dass sich die 53-Jährige, die ledig ist und keine Kinder hat, nun in der Politik engagieren will, liegt, wie sie selbst sagt, an ihrer Neugier, vor allem aber an ihrem Gestaltungswillen. "Nicht schimpfen, sondern anpacken" sei ihr Motto. Wobei es nicht viel zu schimpfen gebe, an sich sei es in Teising bisher nicht schlecht gelaufen. Doch wären Kurskorrekturen hier und da von Vorteil.

Im Bemühen darum, dass Teising lebenswert bleibt, müsse nicht nur auf junge Familien geschaut werden, sondern auch auf die ältere Generation. Ein Baustein dafür sei, den Posten eines Senioren-beauftragten oder -referenten wieder zu vergeben. Auch sei eine Tagespflege wichtig, "der Bedarf ist da". Zudem wolle sie das Vereinsleben stärken.

In Sachen Umweltpolitik sieht Heiß Handlungsbedarf, "der Umweltschutz fängt ja im Kleinen an". Zwar gelte es der Steuereinnahmen wegen Gewerbe anzusiedeln, das aber mit Bedacht, um der Flächenversiegelung entgegenzuwirken. Und das auch im Kleinen, denn: "Nicht jeder Vorgarten muss zugepflastert werden." Ein weiterer Ansatzpunkt sei der öffentliche Personennahverkehr. Nachdem Vorbild des "blauen Bankerls", das andernorts bestens funktioniere, wolle sie Mitfahrgelegenheiten schaffen. Und: Investitionen müssten stets mit Augenmaß getätigt werden. Handlungsbedarf bestehe bei den Straßen und Gehwegen, von denen viele über 50 Jahre alt seien. Es gebe viele, zum Teil gefährliche Stolperstellen, "da muss mehr saniert werden".

Sollte sie gewählt werden, wäre sie bei der Umsetzung ihrer Ziele nicht auf sich gestellt, denn die FW seien eine "tolle Truppe", sagt Claudia Heiß, die privat von zwei Katzen auf Trab gehalten wird und zu deren Hobbys neben Tanz und Gesang – unter anderem im Frauenchor "La Goia" und in einem Projektchor von André Gold – vor allem Tai Chi gehört. Die Freien Wähler wiederum, deren Fraktion 2014 von vier auf drei Räte geschrumpft ist, erhoffen sich von der Bürgermeisterkandidatur auch Rückenwind für die Gemeinderatswahl: "Das stärkt die Liste, das kommt uns zupass", sagt Martin Nützl.

Auf alle Fälle wollen die Freien Wähler ein Motto ausgeben: Veränderung statt Stagnation. In Anlehnung daran deuten sie das Kürzel der Wählervereinigung neu: FW soll für "frischer Wind" stehen. "Das muss ja kein Orkan sein, aber eine frische Brise tut gut", sagt Claudia Heiß.− sh

Quelle: Alt-Neuöttinger Anzeiger vom 4. November 2019