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"Deysinger" Tradition

"Deysinger" Tradition

Fotos: M. Nützl

28.04.2015

Im Jahr 1790 wurden zwölf Maibäume aufgestellt, am Freitag ist es "nur" Einer.

Teising. Für Jakob Perger war es gewiss alles andere als ein Zuckerschlecken, für die Nachwelt aber war es ein Glücksfall: Dass der Teisinger vor 225 Jahren in Neuötting an den Pranger gestellt wurde und elf weitere Bürger zu saftigen Geldstrafen verurteilt wurden, weil sie unerlaubt Holz geschlagen hatten, diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die Teisinger Maibaum-Tradition bis ins Jahr 1790 zurückzuverfolgen ist. Nur noch in einem Ort in der Tölzer Gegend ist der Brauch noch früher verbürgt.

Bei den Reiterhofschützen, die schon seit Langem die Regie beim Maibaumaufstellen führen, gibt man sich nicht der Illusion hin, tatsächlich die zweitältestes Tradi-tion in dieser Sache zu haben, nur weil andernorts nichts "gerichtsmassig" wurde. Gleichwohl wird das Jubiläum am kommenden Freitag, 1.Mai, gefeiert: Das Maibaumaufstellen beim Gasthaus Reiterhof fällt heuer eine Nummer größer aus.

Um 11 Uhr beginnt der offizielle Teil: Ab dann werden die Schützen und andere kräftige Teisinger eineinhalb Stunden lang alle Hände voll zu tun haben, bis der 30 bis 35 Meter hohe Baum steht. Denn erledigt wird das unter dem Kommando von Ernst Osl nur mit Muskelkraft, der Bagger ist nur der Sicherheit an Ort und Stelle. Fleißige Helfer sind jedoch schon lange vorher im Einsatz: Geschlagen und geschepst wird der Baum in den Morgenstunden, dann wird er – bereits auf dem Parkplatz vor dem Gasthaus Reiterhof – mit den vorbereiteten Kränzen und Girlanden geschmückt.

Dass es beim Aufstellen trocken hergeht, das hoffen die Organisatoren. Denn wenn es regnet, kann es gefährlich werden. Ein bisschen feucht soll es dann aber doch sein: Für die Helfer gibt es Freibier. Und für die Verpflegung der Zuschauer ist natürlich auch gesorgt – heuer wegen des Jubiläums sogar auf besondere Art: Es gibt Sau am Spieß. Gegen Mittag soll sie fertig sein, lässt Schützenmeister Konrad Bernhart wissen. Und auch ein Knalleffekt steht bevor: Sobald der Maibaum in der Senkrechte ist, werden die Böllerschützen erst gleichzeitig einen Salut schießen, dann mehrere, schneller werdende Serien von Lauffeuer. Speziell die Kinder werden sich dann wohl die Ohren zuhalten, ansonsten können sie sich auf der Hüpfburg austoben.

Was die geschichtlichen Hintergründe der Teisinger Tradition betrifft, haben die Schützen nachgeforscht – bzw. nachforschen lassen. Dank der Hilfe von Meinrad Schroll, der viel mit der Heimatpflege Mühldorf zu tun hat und sich im Staatsarchiv München bestens auskennt, wissen sie sich in ihrer Annahme bestätigt. Schützenmeister Bernhart war es, der inErst die Strafe,dann die Rehabilitationeiner Buchillustration von Paul Ernst Rattelmüller darauf gestoßen war, dass in Teising bereits 1790 Maibäume aufgestellt wurden – und zwar gleich zwölf Stück. Diese nicht unerhebliche Menge dürfte es auch gewesen sein, welche die Obrigkeit auf den Plan rief. Das Pfleggericht Neuötting sah dies als Verschwendung von gerade gewachsenen, gesunden Bäumen an und bat die "Deysinger" zur Kasse, wie aus den von Meinrad Schroll entdeckten und "übersetzten" Akten hervorgeht.

Im Übrigen hat die Sache für die verurteilten Teisinger ein gutes Ende genommen: Sie ließen sich den Schuldspruch nicht gefallen und wurden, vertreten durch einen Advokaten, bei der "hochlöblichen churfürstlichen Regierung Burghausen" vorstellig mit dem Hinweis, man benötige das Holz beispielsweise für Wäschestangen und Leiterbäume. Der "Lictor" genannte Gerichtsdiener ging seinerseits in die Offensive und schrieb dem Kurfürsten Carl Theodor. Den Bauern gehe es weder um Wäschestangen noch um Leiterbäume, sondern darum, den größten "Meybaum" zu haben. Weil das aus diesem Grund und in besagter Menge im Gemeindeholz nicht gestattet sei, sei die Bestrafung gerecht. Die churfürstliche Landesregierung gab aber den "Deysingern" recht – sie bekamen ihr Geld zurück. Nur Jakob Perger nicht. Der hatte ja nicht bezahlen können und stattdessen am Pranger gestanden.− sh

 

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Dokument erstellt am 2015-04-28 02:16:10